Im Café Central in Málaga gab es eine Kacheltafel mit neun Kaffees in zwei Reihen, oben der Solo, unten die Nube, und der Unterschied zwischen ihnen war die Milch. Das Café hat im Januar 2022 zugemacht, nach mehr als hundert Jahren an der Plaza de la Constitución, und die neun Namen haben es überlebt, weil eine Kaffeemarke, die nicht einmal der Stammlieferant des Central war, sie in der Stadt verbreitet hat.
Erfunden hat sie in den fünfziger Jahren der Inhaber, José Prado Crespo. Nach dem Krieg war Kaffee knapp, und er hatte es satt, Kaffee wegzuschütten, weil jeder Gast sein Verhältnis von Kaffee und Milch anders wollte. Also nahm er die Wünsche, die am häufigsten kamen, und gab ihnen Namen: Solo ist schwarz, Mitad halb und halb, Sombra ein Schatten Kaffee in der Milch, Nube eine Wolke, fast nur Milch.
Den Cortado gibt es im ganzen Land. Cortado heißt geschnitten. Ein Espresso, den etwas mehr als zwei Teelöffel warme Milch schneiden, gerade so viel, dass die Bitterkeit weg ist, in der kleinen Tasse. In Katalonien sagt man Tallat, im Baskenland Ebaki.
In Valencia gibt es den Bombón, Espresso auf gesüßter Kondensmilch, im durchsichtigen Glas serviert, damit man die zwei Schichten sieht. Und im Sommer kommt der Kaffee dort zweimal an den Tisch, als Tasse Café solo und daneben ein Glas mit Eiswürfeln; den Zucker rührt man in die heiße Tasse, weil er sich dort besser löst, dann gießt man selbst über das Eis, und manchmal liegt eine Scheibe Zitrone im Glas. Café del tiempo, Kaffee nach dem Wetter.
Der Kaffee in vielen spanischen Bars ist mit Zucker geröstet. Torrefacto nennt sich das, bis zu 15 Kilo Zucker auf 100 Kilo Rohkaffee, kurz vor dem Ende der Röstung dazugegeben, und die Bohnen bekommen davon eine Glasur. Das Verfahren ist seit 1901 patentiert. Es war eine billige Art, Bohnen haltbar zu machen, und nach dem Bürgerkrieg, als Kaffee rar war, hatte es seine große Zeit. In den Bars läuft er heute gemischt, ein Fünftel bis die Hälfte Torrefacto auf normal gerösteten Kaffee.
Nach dem Essen bleibt man sitzen
Mittag ist in Spanien gegen halb drei. Das liegt auch an der Uhr: Seit den vierziger Jahren läuft das Land auf mitteleuropäischer Zeit, obwohl es geografisch nach Greenwich gehört, und nach der Sonne ist es beim Mittagessen erst zwischen eins und zwei. Nach dem Essen wird nicht aufgestanden. Der Kaffee kommt, manchmal ein kleiner Likör oder ein Aguardiente dazu, und man bleibt sitzen und redet. Die Spanier nennen das Sobremesa, das Bleiben am Tisch, und die Stunde nach dem Mittagessen ist im spanischen Fernsehen eine der wichtigsten Sendezeiten des Tages. In Italien ist der Kaffee nach dem Essen in einer Minute getrunken, wie in Eine Minute an der Bar; in Spanien dauert er, so lange die Sobremesa dauert.
Bars gibt es dafür genug: 431 auf 100.000 Einwohner, fünfmal so viele wie Schulen.
An der Coffee Bar zu Hause
Stell die warme Milch in einem Kännchen neben die Maschine auf die Coffee Bar, und jeder schneidet sich seinen Kaffee selbst, mit zwei Teelöffeln oder mit einer Wolke, wie auf der Tafel in Málaga. Wie der Platz bei uns aussieht, zeigt Wo der erste Kaffee steht. Im Sommer gehört neben die Tasse ein Glas mit Eis, und weil ein Glas keinen Henkel hat, hängt es nicht an der Tassenschiene. Es steht auf einem Brett, mit den anderen Gläsern.
Und der Kaffee nach dem Essen. Mach ihn an der Coffee Bar, trag die Tassen an den Tisch und lass sie dort stehen.
Aufgeräumt wird zum Abendessen, und das ist in Spanien nach neun.

